Ständige Erreichbarkeit – Auswirkungen des Arbeitsplatz 2.0

//Ständige Erreichbarkeit – Auswirkungen des Arbeitsplatz 2.0

Ständige Erreichbarkeit – Auswirkungen des Arbeitsplatz 2.0

Wer kennt es nicht? Abends zu Hause nochmal schnell die letzten E-Mails checken und dem Kollegen antworten. Und dass, obwohl eigentlich schon seit drei Stunden Feierabend ist. Durch neue Technologien und die Digitalisierung des Arbeitsplatzes sind wir theoretisch immer und überall erreichbar. Doch welche Auswirkungen hat diese Erreichbarkeit auf die Arbeitsqualität und das Privatleben?

Arbeitsplatz in der Hosentasche: Mobile Workspace

In den letzten Jahren hat sich viel in Hinblick auf Arbeitsgeräte und Arbeitsplätze verändert. Spätestens mit der Einführung des iPhones in 2007 ist es möglich, immer und überall auf seine Mails und seine Dokumente zugreifen zu können. Diverse Cloud-Dienste wie Dropbox unterstützen diese Arbeitsweise noch weiter. Auch ist der Laptop aus den heutigen Büros kaum noch wegzudenken. Während vor 20 Jahren der Arbeitsplatz noch stark mit einem einzigen Ort verbunden war, gibt es heute eine Vielzahl an Möglichkeiten.

Volkswagen – temporary not available

Diese Vielzahl an Möglichkeiten bedeutet aber auch, dass Mitarbeiter ständig erreichbar sind und die Gefahr besteht, dass sich Freizeit und Arbeitszeit miteinander vermischen. Das wiederum hat zur Folge, dass die auch die Freizeit noch dafür genutzt wird zu arbeiten. Manche Unternehmen reagieren schon auf diese Gefahr: So können Tarifbeschäftige bei Volkswagen zwischen 18 Uhr und 7 Uhr, sowie am Wochenende keine E-Mails mehr empfangen oder versenden. Nachrichten, die in dieser Zeit eintreffen werden erst am nächsten Arbeitstag im Postfach angezeigt.

Die Angst bei ständiger Erreichbarkeit

Dass dieser Schritt sinnvoll ist zeigt eine Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga). Diese stellte heraus, dass 37 Prozent der Angestellten eines IT-Unternehmens und eines Versorgungsunternehmen außerhalb der Arbeitszeit von Kunden kontaktiert werden. Immerhin noch 33 Prozent gaben an, dass sie von anderen Kollegen in ihrer Freizeit gestört werden. Die Folgen liegen dabei klar auf der Hand: Das Privatleben leidet. Diesen Zusammenhang analysierte auch die oben beschrieben Studie der iga. Es wurde deutlich, dass die ständige Erreichbarkeit einen Einfluss auf die Gesundheit und die Fähigkeit zur Erholung hat. Mitarbeiter, die auch nach Feierabend noch für Kollegen oder den Chef erreichbar sind, schlafen schlechter, da sie es oftmals nicht schaffen sich gedanklich von der Arbeit zu lösen und abzuschalten. Die Belastung, die während der Arbeitszeit auf sie wirkt, wirkt also auch noch nach Feierabend auf sie ein. Damit einher geht auch der Punkt der (Nicht-)Erholung. Mitarbeiter, die ständig erreichbar sind, können sich laut eigenen Aussagen schlechter erholen, da immer dieses „Was, wenn jemand anruft“-Gefühl bei ihnen im Kopf schwirrt. Auch die Lebensgefährten der betroffenen Mitarbeiter empfinden die stetige Erreichbarkeit als störend: 70Prozent wünschen sich die Abschaffung der mobilen Zugänglichkeit außerhalb der Arbeitszeit.

Eine weitere Studie, die sich mit diesem Thema befasst hat, ist die Bitkom Studie „Arbeit 3.0 – Arbeiten in der digitalen Welt”. Aus deren Ergebnissen geht hervor, dass 56 Prozent der Beschäftigten befürchtet, dass die mobile Erreichbarkeit zu einer starken Vermischung von Beruf und Freizeit führt.

Fazit: Alles schlecht. Oder?

Zusammengefasst lässt sich also sagen:

  • Arbeitnehmer haben durch die ständige Erreichbarkeit Angst, dass sich Privatleben und Arbeitszeiten zu sehr vermischen.
  • Die ständige Erreichbarkeit hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit und die Partnerschaft.
  • Die gedankliche Trennung von Arbeit und Privatleben wird schwieriger bei ständiger Erreichbarkeit für den Arbeitsgeber.

Potenziale erkennen und richtig einsetzten

Doch trotz dieser negativen Konsequenzen gibt es auch eine ganze Reihe an positiven Faktoren der ständigen Erreichbarkeit. Zum einen können so Beruf und Familie besser miteinander verbunden werden. Die Mutter, die sonst nur Teilzeit gearbeitet hätte, kann jetzt Vollzeit wieder einsteigen. Sie arbeitet vormittags im Unternehmen, holt mittags ihre Kinder ab und arbeitet abends nochmal 1-2 Stunden im Home-Office. Generell müssen die Mitarbeiter nicht mehr nur im Büro arbeiten: Die Erreichbarkeit ist durch die neue Technik auch gegeben, wenn sie im Home-Office oder ein einem Co-Working Space arbeiten. Auch kann Urlaub besser verteilt werden, auch wenn der Mitarbeiter eigentlich keine Urlaubstage mehr hat. So kann dank Smartphone und Laptop auch bequem aus der Bahn oder vom Strand gearbeitet werden und gleichzeitig die Zeit mit Familie genutzt werden.

Außerdem sind Arbeitszeiten heute nicht mehr so starr wie noch vor ein paar Jahren. Dank des Einsatzes von mobiler Technik kann auch immer wieder zwischendurch gearbeitet werden oder durch ganz Deutschland gependelt werden.
Auch Strecken wie Berlin und München sind damit kein Problem mehr. Die meisten Züge verfügen heutzutage sogar über WLAN, das erleichtert das mobile Arbeiten und die damit einhergehende Erreichbarkeit noch.

Der wohl größte Vorteil der ständigen Erreichbarkeit liegt in der Projektarbeit. So kann dank mobiler Endgeräte nicht nur von überall, sondern auch hinweg über jede Zeitzone und Ländergrenze hinweg gearbeitet werden. Es muss keine Rücksicht mehr darauf genommen werden, wann der Teamkollege aus China Zeit hat. Dank digitaler Innovationen wie Social Collaboration und Social Intranets kann jeder zu seiner Zeit am selben Dokument arbeiten. Auch der Austausch und der Workflow werden dadurch verbessert. Das beschleunigt die Arbeit nicht nur, es macht sie auch effizienter und effektiver.

Wird auch für die positiven Argumente ein Resümee gezogen, so sieht es folgendermaßen aus:

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist leichter möglich.
  • Arbeitsplätze können überall sein.
  • Pendler können sogar von unterwegs arbeiten.
  • Projektarbeit wird deutlich erleichtert.

Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg

Will man ein abschließendes Fazit verfassen, so fällt es doch schwer sich auf eine Seite zu schlagen. Dementsprechend kann man an dieser Stelle gut an die Forscher der Bitkom-Studie verweisen. Diese fassten zusammen, dass eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten nur dann gefunden werden kann, wenn sich die Führungsetage mit den betroffenen Mitarbeitern zusammensetzt und klare Regeln definiert. Ebenfalls macht es Sinn, die Erwartungen der jeweiligen Seite klar zu definieren, damit es nicht zu Unstimmigkeiten kommen kann. Wenn dieser Schritt gegangen wird hält der Arbeitsplatz 2.0 eine Menge Vorteile für beide Seiten bereit und kann dazu beitragen, dass effizienter und effektiver gearbeitet wird.

By | 2019-06-04T08:24:25+00:00 June 4th, 2019|Uncategorized|0 Comments

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